Wolfgang Heyder im Interview

Herr Heyder, herzlichen Glückwunsch zu sechs Titeln in drei Jahren. Die Brose Baskets haben auf nationaler Ebene alles gewonnen, was es zu gewinnen gab und Geschichte geschrieben. Befindet sich Basketball-Deutschland wieder im Zeitalter der Dynastien? Bayer Leverkusen in den 80ern, Alba Berlin in den 90ern und jetzt die Brose Baskets?

Wolfgang Heyder: Die Glückwünsche nehme ich natürlich gerne an. Ich sehe die jetzige Zeit aber komplett anders als Leverkusen in den 80er Jahren und Alba Berlin in den 90er Jahren. Ich denke, diese Erfolge zu erringen, ist viel schwieriger geworden, weil die Konkurrenz erheblich größer geworden ist. Basketball funktioniert an allen Standorten, es ist insgesamt viel mehr Geld im System. Ich denke, wir können schon stolz sein darauf, dass wir in den letzten sieben Jahren fünf Meisterschaften gewinnen, drei Pokalsiege erringen und viermal in der Euroleague teilnehmen konnten und uns als absoluter nationaler und internationaler Spitzenclub etabliert haben. Das ist eine großartige Leistung für das kleine Bamberg. Von einer Dynastie zu reden, halte ich in dem Zusammenhang aber immer für übertrieben.

Spitzenleistungen im Profisport kosten Geld. Die Basketball-Bundesliga boomt wie noch nie. Wie schaffen Sie es mit wirtschaftsstärkeren Basketballstandorten finanziell Schritt zu halten?

Es ist richtig, dass Basketball in Deutschland inzwischen hinter Fußball aus meiner Sicht die zweite Position erklommen hat. Es boomt an den Standorten. Es gibt immer mehr schöne neue Hallen, die ausverkauft sind, und es herrscht große Begeisterung an den Standorten. Aber es gibt den Wermutstropfen, dass die nationale Wertigkeit, was Basketball betrifft, vor allem im TV, bei weitem noch nicht so ist, wie wir uns das vorstellen. Die Zuschauerzahlen bei den Livespielen auf Sport 1 haben sich in diesem Jahr verdoppelt, aber wir sind noch weit davon entfernt, dass wir von einer boomenden Situation sprechen können. Wir haben auch die Problematik, dass wir noch zu wenig in den Öffentlich-Rechtlichen Sendern stattfinden, dass das Thema aus meiner Sicht von den Öffentlich-Rechtlichen nicht wahrgenommen wird. Wenn es heute wichtiger ist, dass selbst die Busfahrt der Fußball-Nationalmannschaft zum Stadion übertragen wird, werden es andere Sportarten wie Basketball, Handball, Eishockey und so weiter weiterhin schwer haben. Und es wäre natürlich auch wünschenswert, dass ein Top-Produkt wie die Euroleague wirklich im Free-TV vorkommt – da wird es wieder einen heißen Kampf auszufechten geben.

Wenn man mal den Standort Bamberg mit den Clubs aus den größeren Städten vergleicht: Wo liegen für Sie die Herausforderungen in der Vermarktung?

Vorab das Positive: Wir sind sehr glücklich, dass wir mit der Firma Brose und Michael Stoschek einen Partner haben, der uns in den letzten Jahren auf allen Gebieten nach vorne gebracht hat, der uns auch finanziell unterstützt, damit Basketball auf diesem Niveau, das wir jetzt seit vielen Jahren präsentieren können, möglich ist. Das ist ja schon mal ein absoluter Glücksfall. Auf der anderen Seite sind wir sehr stolz auf die große Basketball-Community, auf die vielen Sponsoren, die uns unterstützen. Wir haben über 210 Sponsoren, die Zahl ist in diesem Jahr nochmals gestiegen. Das ist alles in allem sehr positiv. Auf der anderen Seite ist natürlich die große Herausforderung, was die Vermarktung an einem Standort wie Bamberg betrifft, dass das alles sehr personalintensiv und in bestimmten Bereichen auch sehr anstrengend ist. Außerdem ist es natürlich auch eine große Hausforderung, nationale Partner an einen relativ kleinen Standort wie Bamberg zu bringen. Das ist die Herausforderung, bei der wir sicher auch größeren Städten gegenüber einen Nachteil haben. Grundsätzlich ist es für Basketball in Deutschland wichtig, dass wir es medial schaffen, die Werte zu transportieren, die Basketball ausmachen wie Fairness, Teamfähigkeit, eine hervorragende Fankultur und nicht zuletzt den Faktor, dass unser Sport sich durch eine hohe Frauen-Affinität auszeichnet.

Es ist ja bekannt, dass die Brose Baskets einen weiteren Großsponsor suchen. Wie sieht es an dieser Front aus?

Es ist sicherlich unser erklärtes Ziel in den nächsten Monaten einen Erfolg verbuchen zu können.Wir arbeiten sehr intensiv an diesem Thema und haben Basketball national, aber auch überregional von einer Agentur ganz explizit und im Detail screenen lassen, um Vorteile und Nachteile auf dem Tisch zu haben. Wir haben unsere nationalen Zahlen und Daten auswerten lassen, die erfreulicherweise sehr positiv sind, mit denen man wirklich auch am nationalen Markt arbeiten kann. Wir arbeiten hier mit einer Agentur zusammen, die uns in der Akquise, in der Netzwerkbildung bzw. auch in der Darstellung, in der Präsentation unterstützt und wir hoffen, dass wir auch mit dem großen Erfolg von sechs Titeln im Rücken und der erneuten Euroleague-Teilnahme in einer Hammergruppe und mit enormen Potential im internationalen Standing punkten können und zum Erfolg kommen.
Ärgert es Sie eigentlich manchmal auch etwas, wenn Sie sehen, wie einfach es Alba Berlin oder der FC Bayern bei der Sponsorensuche haben?Warum soll mich das Thema ärgern? Wir konzentrieren uns auf uns und arbeiten intensiv daran, unser Produkt nach vorne zu bringen. Auf der einen Seite inhaltlich, sportlich, aber natürlich auch im Vermarktungspotential. In dieses Thema stecken wir unheimlich viel Energie und orientieren uns da nur am Rande an den anderen Partnern. Und wenn Sie so die Frage stellen, was die Sponsorensuche bei Alba Berlin und Bayern München betrifft, ist da ja auch nochmal ein großer Unterschied. Ich denke, dass Berlin natürlich einen großen Standortvorteil hat mit dem Hauptstadtbonus und dem Riesenpotential im Rücken, auf der anderen Seite aber natürlich mit großer Konkurrenz von anderen Bundesligavereinen, aber auch sehr intensiven Vermarktungsstrategien. Während bei Bayern München die Basketballabteilung einzig und allein vom Fußball und von Uli Hoeneß profitiert. Da ist es natürlich auch leichter, Partner an das Programm heranzuführen, aber da gibt es keinen Neid. Wir müssen uns auf unseren Standort konzentrieren und wollen nach wie vor im Konzert der Großen konkurrenzfähig sein, und daran arbeiten wir.

Wie sieht Ihr Team in der neuen Saison aus. Wie geht es mit John Goldsberry weiter? Wer kommt für Tucker, wer für Suput und wie sieht’s auf der Centerposition aus? Alleine auf Zirbes und Neumann zu setzen, dürfte, bei allem vorhandenen Talent, auf europäischem Top-Niveau nicht ausreichen.

Bei John Goldsberry herrscht natürlich bei allen der große Wunsch – das gilt für den Trainerstab genauso wie für mich als Manager -, dass wir ihn im nächsten Jahr in dieser Bamberger Mannschaft als wichtigen Faktor wiedersehen. Er hat in den nächsten Tagen medizinische Tests und eine Leistungsdiagnostik hier in Bamberg. Das läuft über zehn Tage, danach wird man mehr wissen. Ich bin eigentlich sehr optimistisch. Die letzten drei Wochen, die seine Reha hier betrafen, und seine Trainingsleistung waren so gigantisch und auf so gutem Niveau, dass wir sehr optimistisch sind, dass er es tatsächlich schaffen wird. Aber das ist derzeit noch nicht hundertprozentig sicher. Es ist ja bekannt, dass wir in der jetzigen Phase relativ weit sind, was den Frontcourt betrifft. Wir hoffen in den nächsten Tagen und Wochen eine Entscheidung von Brian Roberts zu bekommen. Wir glauben, dass er der richtige Spieler wäre in der Kombination mit John Goldsberry und Anton Gavel sowie unseren jungen Spielern Daniel Schmidt und Karsten Tadda. Deswegen lassen wir uns auch Zeit. Das ist auch die ganz klare Ansage von Chris Fleming. Wir sind sehr froh, dass wir mit Maik Zirbes und Philipp Neumann zwei große Spieler auf der Fünf bzw. Vier haben, die im Sommer große internationale Erfahrung in der A- und U-20-Nationalmannschaft sammeln werden. Beide haben großes Potential und gehören für mich nach Tibor Pleiß zu den stärksten Talenten in Deutschland auf dieser Position. Die beiden wollen wir entwickeln und nach vorne bringen, so dass sie sich in den nächsten Jahren – beide haben in Bamberg ja noch drei Jahre Vertrag – ähnlich wie Tibor Pleiß entwickeln. Aber es ist natürlich richtig, dass wir im Moment auf der Suche nach einem Nachfolger für P.J. Tucker und Peja Suput auf der Vierer-Position und auf der Vier/Fünfer Position sind. Der Markt gestaltet sich nicht einfach, viele Spieler versuchen noch über die Summerleague in die NBA zu kommen. Deswegen heißt es auch hier, Geduld zu haben. Wir haben Ideen, was wir brauchen ist natürlich entsprechende Kreativität. Und für uns ist es natürlich auch wichtig, dass wir am Brett wie in den letzten Jahren mit Kyle Hines und mit Marcus Slaughter auch entsprechende Athletik generieren. Chris Fleming bzw. der gesamte Trainerstab und Scout Brendan Rooney sind zurzeit in den USA bei den Summerleagues unterwegs und haben quasi eine ständige Konferenzschaltung nach Deutschland, um hier die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir hoffen, dass wir auch die entsprechenden Spieler finden werden.

National haben Sie alles gewonnen. International ist man, trotz der legendären Siege gegen Olympiacos Piräus, Real Madrid oder Panathinaikos Athen in den beiden vergangenen Spielzeiten in der Euroleague knapp gescheitert, obwohl man es bei den Heimspielen gegen Virtus Rom 2010 und Zalgiris Kaunas 2011 beide Male selbst in der Hand hatte. Was fehlte Ihrem Team auf diesem Niveau noch zu diesem letzten kleinen Stück, um endlich den Schritt in die Top 16 zu schaffen?

Ich denke, dass wir uns in den letzten beiden Jahren in der Euroleague durchaus positiv präsentiert haben. Wir waren in beiden Jahren extrem knapp dran an einem Weiterkommen unter die letzten 16 und haben jedes Mal durch Buzzerbeater verloren. Im letzten Jahr zweimal. Noch schlimmer fand ich es mit dem unvergessenen Wurf von Charles Smith aus der Ecke drei Sekunden vor dem Ende. Es waren also sehr bittere Niederlagen, aber so ist das im internationalen Basketball, da wird einfach ganz anders gespielt, da ist das Niveau nochmal höher. Da gibt es eigentlich keine Spieler, die nicht ein Spiel entscheiden können und es wird auch im nächsten Jahr so sein. Man hat ja ein bisschen das Gefühl, dass weniger Geld im Spiel ist, aber ich empfinde es so, dass momentan immer noch 25, 26 Teams in Europa weit bessere finanzielle Möglichkeiten haben als wir. Wir müssen hier kreativer sein, wir müssen mit unserem Potential, das ja in den letzten Jahren und auch in diesem Jahr größer geworden ist, hier die optimalen Lösungen schaffen. Es ist natürlich auch so gewesen, dass unsere Spieler durch die großartigen Leistungen teurer geworden sind. Und das wollen wir am Ende natürlich auch wieder zeigen. Dass wir es mit unseren Möglichkeiten in die Top 16 schaffen können. Momentan Ziele zu setzen ist einfach zu früh, da müssen wir abwarten, wie die Mannschaft am Ende aussieht.

Aber Ihr Ziel bleibt es auch in der kommenden Saison, die Top 16 in der Euroleague zu erreichen?

Von unserer Grunddefinition her haben wir sicherlich das Ziel,unter die Top 16 zu kommen. Man muss aber zum jetzigen Zeitpunkt realistisch sehen, dass weder bei uns noch bei vielen anderen Teams das Mannschaftsgefüge feststeht, so dass eine Beurteilung nur schwer möglich ist. Zum anderen ist es schon so, dass wir eine absolute Hammergruppe erwischt haben und mit ZSKA Moskau, FC Barcelona und Besiktas Istanbul drei Meister der europäischen Topligen dabei sein werden. Mit Partizan Belgrad haben wir eine Mannschaft, die – genauso wie Lietuvos Rytas Vilnius – seit Jahren im internationalen Geschäft oben mitspielt. Es wird sicherlich eine Riesenherausforderung, sich in dieser Gruppe zu behaupten. Darüber können wir aber, denke ich, in vier bis sechs Wochen genauer reden, wobei ja unser Domreiterturnier mit Maccabi Tel Aviv und Khimki Moskau ein erster deutlicher Fingerzeig sein wird.

Dem Team steht ein etwas größerer Umbruch bevor. Und trotzdem halten viele Experten die Brose Baskets auch in der kommenden Saison für den Titelfavoriten Nr. 1. Wie sehen Sie das?

Ohne Frage werden wir einen größeren Umbruch erleben, ich denke jedoch, dass er nicht so groß sein wird, wie viele es erwartet hatten. Für mich ist ein entscheidender Faktor, dass der harte Kern, der entscheidend zu den Meisterschaften beigetragen hat, auch in Zukunft in Bamberg bleiben wird: Mit Kapitän Casey Jacobsen, seinem Stellvertreter Anton Gavel, mit John Goldsberry und Karsten Tadda, aber auch den jungen Spielern. Und es gibt ja immer noch bestimmte Hoffnung, dass auch Brian Roberts in Bamberg bleiben wird. So haben wir auf jeden Fall einen guten harten Kern vor allem für den Frontcourt zur Verfügung. Aber es wird natürlich auch darauf ankommen, Spieler wie Tibor Pleiß und Peja Suput entsprechend zu ersetzen. Nicht zuletzt natürlich auch P.J. Tucker, der im letzten Jahr großen Anteil hatte an dem sehr deutlichen Erfolg. Aber ich bin da optimistisch, dass wir wieder eine sehr starke Mannschaft haben werden. Ich möchte aber auch mal darauf hinweisen, dass seit Jahren die Brose Baskets immer wieder die Titelfavoriten Nummer 1 waren und wir dieser Favoritenrolle, die uns ja von außen auch aufgedrängt wurde, bisher auch immer gerecht werden konnten. Man sieht jetzt natürlich schon im Vorfeld der Saison, dass Alba Berlin und Bayern München, nicht zuletzt auch Oldenburg, gewaltig zuschlagen, und dass alle drei sehr gute Mannschaften haben werden. Wenn ich allein die Centergarde bei Bayern München sehe mit Homan, Troutman und Roberts sowie die neuen Guards Halperin und Rice oder auch den Frontcourt bei Alba Berlin, werden wir es mit sehr, sehr starken Teams zu tun haben. Uns da zum Favoriten Nr. 1 zu machen, halte ich für übertrieben.

Werfen wir mal einen Blick auf den Nachwuchs. Die U19 ist 2012 deutscher NBBL-Meister geworden, die Mannschaft hat den haushohen Favoriten Urspring im Halbfinale geschlagen. Haben Sie damit gerechnet?

Ich denke, unsere NBBL-Mannschaft hat in den letzten Jahren immer die Qualität gehabt, ein Favorit auf die Meisterschaft zu sein. Seit Einführung der NBBL ist sie immer sehr knapp an diesem Ziel gescheitert. Das Team war immer beim Top 4 dabei. Uns freut es natürlich sehr, dass diese Mannschaft, die sich extrem homogen präsentiert hat und in der viele Spieler einen gewaltigen Sprung gemacht haben, was man jetzt auch daran sieht, das etliche Spieler in den Jugend-Nationalmannschaften vertreten sind, jetzt endlich den Meistertitel erreichen konnte. Ich fand es auch absolut verdient, man hat den besten Basketball bei diesem Turnier gezeigt und hat nach einer schwachen Anfangsphase gegen Urspring das Spiel gedreht. Eine große Leistung der Mannschaft und auch des Trainerstabs.

Das NBBL-Team gehörte auch in den Jahren davor immer zu den Top-Teams in Deutschland. Wie erklären Sie sich diesen Erfolg?

Wir investieren – das ist kein Geheimnis – in die Jugendleistungs- und Jugendbreitensportarbeit circa 450 000 bis 500 000 Euro, weg von den jungen Spielern, die im Profikader sind. Natürlich entwickeln sich dadurch auch Talente. Momentan sprechen wir von neun aktuellen Jugend-Nationalspielern, die im Programm sind. Sicherlich ist das ein Ergebnis der Arbeit hier vor Ort, die mit den Fördergruppen U10 beginnt und die in der NBBL mündet. Was für mich ein entscheidender Faktor ist, ist, dass wir es in den nächsten zwei Jahren noch besser schaffen, die Anschlussförderung hinzukriegen. Das heißt, das 17-, 18-, 19-jährige Toptalent muss den Sprung in die BBL schaffen. Wir werden in dem Bereich arbeiten. Im nächsten Jahr werden wir ja im Bundesligakader mit Johannes Richter, Philipp Daubner und Johannes Thiemann drei Spieler aus dieser NBBL-Meistermannschaft sehen, die komplett in dem Kader mitmachen und die wir dann auch auf diese größeren Aufgaben vorbereiten wollen. Entscheidender Punkt ist sicherlich, dass diese Jungs Geduld mit sich haben und bereit sind, hart zu arbeiten und auf der anderen Seite, dass wir ihnen das notwendige Vertrauen geben und selbst Geduld haben. Denn das ist kein Prozess, der in einem halben oder in einem Jahr abgeschlossen ist, sondern da sprechen wir bei einem 17-, 18-Jährigen von drei Jahren. Wenn die Jungs aber entsprechend an sich arbeiten, werden sie es mit ihrem Talent auch nach oben schaffen.Mit den beiden neuen Spielern Leon Kratzer und Daniel Keppeler haben wir zwei weitere Top-Talente für unser Programm gewinnen können.

Wie wichtig ist ein funktionierendes Nachwuchskonzept für das gesamte Basketballprogramm in Bamberg?

Das funktionierende Nachwuchskonzept hat ja zum einen etwas damit zu tun, dass wir junge deutsche Spieler für den Leistungsbereich entwickeln wollen, auch auf Grund der 6+6-Quote. Es gehört aber auch zu unserem Selbstverständnis, dass wir eine starke deutsche Nationalmannschaft mit entwickeln wollen – da wird Bamberg immer ein Vorreiter sein. Und es hat etwas damit zu tun, dass wir in der Breite Basketball so platzieren wollen, dass es eine Premiumsportart in ganz Deutschland wird. Ich denke, das ist die Aufgabe aller Standorte: dass über Basketball ähnlich gesprochen wird wie über Fußball. Wir haben hier in Bamberg einen großen Schritt dazu gemacht, es ist hier die Hauptsportart, und deswegen diese intensive Investition in die Breite. Wir sind auch sehr froh, dass unser Hauptsponsor Michael Stoschek die Initiative ergriffen hat, diese Breitenentwicklung im U9- bis zum U12-Bereich in Gesamtfranken nachhaltig zu unterstützen – also in Nürnberg, in Bamberg, in Bayreuth und in Würzburg. Damit Basketball sich auch in Franken in dieser Breite weiter so entfalten kann. Es ist, denke ich, auch gut, wenn es die Bundesliga-Standorte in Bamberg, Bayreuth und Würzburg und den Satelliten in der ProA, Nürnberg, weiterhin geben wird, denn es ist für unsere Sportart immer gut, wenn es viele Leuchttürme gibt, die einfach die Ausstrahlung haben, die uns dann auch die nationale Präsenz schafft, die notwendig ist.

Sehen Sie Bamberg auch als Ausbildungszentrum für Deutschland und Europa?
Sicherlich sind wir stolz, dass inzwischen aus Bamberg viele Spieler, aber auch Funktionäre nach einer positiven Entwicklung in Bamberg bei anderen Klubs verantwortliche Rollen übernommen haben . Kyle Hines, Tibor Pleiß sind genauso Beispiele dafür wie unser Schul- und Jugendkoordinator Florian Gut, der zur Beko-BBL gewechselt ist, oder im letzten Jahr Volker Stix, der von Bayern München als Nachwuchskoordinator verpflichtet wurde, und unlängst Björn Snater, der den Posten als General Manager bei den Öttinger Rockets Gotha übernommen hat. Das erfüllt uns schon mit Stolz und zeigt die Qualität unseres Programms, aber ich kann auch nicht verleugnen, dass das auch zu dem ein oder anderen weinenden Auge führt.

Die Nachwuchsarbeit wird dabei hauptsächlich über Kooperationspartner wie etwa den TSV Tröster Breitengüßbach oder die Regnitztal Baskets geleistet. Werden die Brose Baskets und die Kooperationspartner in Zukunft noch enger zusammenrücken?

Unser Franken1st-Konzept betrifft ja nicht nur Breitengüßbach und Regnitztal, sondern auch Baunach, DJK Bamberg, TTL Bamberg, und wir arbeiten auch mit Litzendorf intensiv zusammen. Aktuell haben wir ja jetzt mit dazu beigetragen, dass auch das Damenteam der DJK in die erste Bundesliga aufsteigt. Wir haben die Kooperation mit den Köln 99ers, die Kooperation in Nürnberg, mit Roth, mit dem CVJM Erlangen, also wir sind hier sehr breit aufgestellt. Wir geben hier zum einen natürlich einen wirtschaftlichen Input, zum anderen aber auch inhaltlichen über unsere Trainer und unsere Struktur. Weil wir der Meinung sind, dass wir als die Mannschaft, die als Vorbild in Deutschland voraus marschiert, nicht nur die Verantwortlichkeit haben, sondern es ist auch so, dass wir die notwendige Arbeit als Club nicht alleine leisten können. Wir brauchen diese Kooperationen, um auch in der Breite diese Förderung umsetzen zu können. Unser Ziel ist es, in den nächsten Jahren hier im Bezirk, 15-18 U9-Teams, 20 U10-Teams und 20 U12-Mannschaften zu präsentieren, um einfach auch die Konkurrenzsituation zu heben, um aus vielen Kindern die entsprechenden Talente zu finden, aber auch Potential für die Sportart Basketball als Zuschauer, als Schiedsrichter, als Funktionär zu erreichen. Ich denke, da sind wir auf einem guten Weg, und darum verfolgen wir auch unser Konzept Franken1st mit einer großen breiten Aufstellung.

Es ist beachtlich, was Sie mit Ihrem Modell leisten. Und das, obwohl allen voran die Brose Baskets über keine Heimat, sprich kein Trainingszentrum, verfügen. Wird sich an dieser Situation etwas ändern?

Es ist sicherlich ein großer Wermutstropfen, dass unsere intensiven Bemühungen vor allem auch im Jugendbereich, was Jugendleistung, aber auch Schule, was den gesamten Bereich Breitensport und was Camps betrifft, von der Stadt Bamberg nur sehr geringfügig gewürdigt werden. Es ist eine, finde ich, sehr enttäuschende Haltung. Wir bekommen von der Stadt Bamberg so gut wie keine Trainingszeiten zur Verfügung gestellt, es ist nach wie vor auch nicht durchgedrungen, dass eine Bundesligamannschaft zwei Mal täglich trainieren muss. Wir müssen uns selbst um diese Situation kümmern. Ich kann ein Beispiel nennen: Im September steht die Stechert-Arena für drei Wochen überhaupt nicht für Training und Spiele zur Verfügung. Wir mussten mit dem Domreitercup nach Nürnberg ausweichen. Aus meiner Sicht ist das keine Kritik am Betreiber der Halle, aber es ist einfach so, dass hier keine Ersatzlösungen geschaffen werden. Wir sind jetzt selbst gezwungen gewesen, diese Situation für uns zu ändern. Wir investieren insgesamt 200 000 Euro, zum Teil unterstützt durch Sponsoren, um eine Trainingssituation zu schaffen, durch die wir im Prinzip ganztägig trainieren können – nämlich in der Hauptsmoorhalle in Strullendorf, die als Trainingszentrum umgebaut wird. Natürlich nicht nur für unsere Profimannschaft, sondern es werden in erster Linie 80 Prozent der Termine von den Jugendmannschaften belegt werden. Ich finde es sehr enttäuschend, dass hier aus der Stadt Bamberg keinerlei Resonanz vorhanden ist, dies zu unterstützen. Ich kann das auch nicht nachvollziehen – andere Sportmannschaften erhalten Trainingszeiten. Nur die Brose Baskets, die nicht nur Wirtschaftsfaktor sind und Imageträger, sondern auch noch eine große soziale Akzeptanz für den Jugend- und den Schulbereich haben, bekommen so wenig Unterstützung.

Wolfgang Heyder

Über Wolfgang Heyder

Der Mann, der niemals schläft – ehrgeizig, fokussiert, basketballverrückt. Seit Wolfgang Heyder 2001 den Geschäftsführerposten bei den Brose Baskets übernahm, nahm der Bamberger Basketball eine rasante Entwicklung. Vier Meisterschaften und drei Pokalsiege später sind die Brose Baskets unbestreitbar das derzeit beste Basketballteam Deutschlands. Doch natürlich hat Heyder noch lange nicht genug. Auf der europäischen Bühne den Einzug unter die Top 16 der Euroleague zu wiederholen ist das große Ziel des 56-Jährigen.
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